Ein Haus voll schöner Bilder
Johann -Friedrich Städel stiftete das berühmte Museum
88 Jahre war er, als er am 2.. Dezember 1816 in seinem Haus Goldener Bär am Roßmarkt starb. Er war einer der größten europäischen Kunstmäzene des 19. Jahrhunderts und der Stifter des nach ihm benannten Museums, kurz Städel genannt, dem eine Hochschule für Bildendende Künste angeschlossen ist. Es zählt zu den größten Attraktionen Frankfurts und lockt Besucher aus aller Welt an.
Städels Vorfahren stammen aus dem Saarland und waren reiche Spezereihändler, die großes Ansehen genossen und in Straßburg mehrere regierende Bürgermeister stellten. 1675 wanderte der erste Städel ein.
Johann Daniel Städel, der Vater des Stifters, gehörte der zweiten Generation der aus Straßburg stammenden Städels an. Er siedelte sich 1718 in Frankfurt an und heiratete die Tochter eines reichen Kaufmanns. Nach seiner Hochzeit gründete Johann Daniel Städel eine Spezereiwarenhandlung am Großen Kornmatkt. Hier wurde Johann Friedrich Städel am 1. November 1728 geboren. Er blieb das einzige Kind seiner Eltern, die sehr alt wurden und über 60 Jahre zusammenlebten.
Nach dem Tod seiner Eltern - er war fast 50 Jahre - gab er das Haus am Großen Kornmarkt auf und siedelte um in das Haus Zum Goldenen Bären am Roßmarkt 18, das er seinen Wünschen entsprechend umbauen ließ. Das Geschäft seiner Eltern führte er in kleinerem Rahmen weiter und stellte sich zusätzlich auf das Bankgeschäft um. Er verlieh Geld an die Rothschilds sowie an Fürsten und Grafen und die Stadt Frankfurt.
Über seine Kindheit und Jugend ist leider nichts bekannt, ebensowenig über seine Beziehungen zu Frauen. Er blieb unverheiratet , Für einen Mann aus gut situierter einflussreicher Familie war dies zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlich und fast gegen die guten Sitten der Gesellschaft verstoßend. Dieser Zustand stempelte ihn zum Außenseiter.
Auch über die Ehe seiner Eltern ist nichts überliefert. Nur aus einem Nottestament des Vaters kann geschlossen werden, dass die Ehe der Eltern nicht sehr harmonisch verlaufen ist. Vielleicht liegt hier der Schlüssel für seine Abneigung gegen eine familiäre Bindung.
Bilder schienen ihn der wichtigste Teil seines Lebens gewesen zu sein. Es ist anzunehmen, dass er eine Aufgabe suchte, die seinem Leben Sinn und Inhalt gab. Er suchte Ausgleich für sein nicht vollausgelebte Leben. Sicher aber war er auch sehr von der Kunst besessen. Es ist bekannt, dass lange bevor die Stiftung gegründet wurde seine Bildersammlung schon ein Begriff für Kenner war. Goethe, der oft in Städels Haus Gast war und mit dem er auch bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad zusammentraf, erwähnte wiederholt Städels anspruchvolle Bildersammlung im Haus des Goldenen Bären.
Viele Jahre diente Städel als Mitglied des Bürgerkollegs der Einundfünfziger und gehörte auch zeitweise dem Theaterausschuss an. Durch verwandtschaftliche Beziehungen war er mit vielen Frankfurter Familien verbunden.
Es ist anzunehmen, dass sein Leben ziemlich gleichförmig verlief und von großen Emotionen verschont blieb. Er investierte Zeit, Geld und Ideen in die Welt der schönen Bilder, die ihm zum Lebensinhalt wurden. Seine wenigen noch zur Verfügung stehenden handschriftlichen Zeilen deuten auf eine wenig distanzierte Höflichkeit gegenüber seinen Mitmenschen hin. Sein Lebenswandel lässt den Schluss zu, dass er ein introvertierter Mensch war, der aber auf eine gewisse Anerkennung nicht verzichten wollte. Der Wunsch nach Würdigung mag auch der Grund dafür gewesen sein, dass er am 15. November 1811 im Alter von 83 Jahren eine Eingabe an den Großherzog von Dalberg vorbereitete, in der er seine Liebe zur Malerei und Kupferstecherei schilderte und bat, seine Sammlung der Stadt Frankfurt und ihrer Bürgerschaft durch letzten Willen stiften zu dürfen. Gleichzeitig ersuchte er den Großherzog um die Genehmigung, der Stiftung seinen Namen zu geben. Dalberg gab Städels Bitte statt und bezeichnete die Stiftung in seinem Antwortschreiben an ihn als rühmliches Vorhaben. Städel stiftete 1,1 Millionen Gulden.
Städel wurde, wie Goethes Mutter Frau Aja,, auf dem Peterskirchhof begraben. Sein Grab ist verschollen. Was bleibt? Ein Haus voll schöner Bilder!
Weitere Artikel aus der Kategorie: